
Die Route führt von Wegscheid nach Steinegg
Am vergangenen Mittwoch war es dann wieder soweit. Wo sich in diesen Tagen “echte” Männer noch gegen die Unbilden von Naturgewalten zur Wehr setzen müssen und gleichzeitig unberührte Naturlandschaft genießen dürfen, der Kamp!
So trafen einander drei bereits in die Jahre gekommene Väter, zwei ihrer sechs Söhne und ein Freund dieser, am späten Vormittag in Wegscheid am Kamp. Die Schlauchboote waren rasch aufgepumpt, vorsorglich hat man sich noch schnell mit Autan eingerieben und es konnte losgehen. Die “Boote”, zwei badewannenförmige Ungetümer und ein schlankes Kajak wurden zu Wasser gelassen.

Der Kamp 2009
Im Vergleich zu vorangegangenen Jahren war der Wasserstand diesmal verhältnismäßig hoch. Dies hatte zwar den Vorteil, dass keiner von uns mit seinem Schlauchboot auf den Felsen aufsaß und wir uns das Aussteigen und Ziehen der Schwimmgeräte ersparten, andererseits brachte das viele Wasser mit sich, dass es gelegentlich zügiger voranging, als uns ungeübten Ruderern lieb war. Noch ging aber alles gut und wir konnten nach einer halben Stunde am rechten Flussfer eine kleine Rast einlegen.
Dabei nützten wir nicht nur die Gelegenheit, eingedrungenes Wasser aus den Booten zu leeren, es wurde der mitgebrachte Proviant verzehrt, kühles Bier verschüttet, Schnaps verkostet und alle waren noch guter Dinge.
Wir setzten die Fahrt stromabwärts fort und der Kamp nahm Fahrt auf. Ein paar hundert Meter weiter, der erste Crash. Das Boot der beiden Jungen kam dem felsigen Ufer zu nahe und kippte um. Was blieb, waren eine Beule am Kopf, ein blutendes Knie und Schrammen auf den Schienbeinen. Was weg war…., ein Handy, eine Sonnenbrille und ein Schuh, doch die Fahrt musste weitergehen,

Ruine Schauenstein bei Pölla
vorbei an der Ruine Schauenstein bei Pölla, die, auf einem steil abfallenden Ausläufer des Buchbergs (606 m) gelegen, von oben einen wohl besonders schönen Ausblick auf das umliegende Kamptal böte, doch wir waren ja unten in der Schlucht.

idyllische Abschnitte
Freilich gab es auch Abschnitte, die zum Ausruhen verleiten hätten können, wären da nicht Schwärme von Pferdebremsen über uns hergefallen. So gesehen erhielten unsere Paddel eine unerwartete Zusatzfunktion.
Ein weiterer kurzer Stopp, diesmal an der linken Uferseite und er wurde abermals zur Kalorienaufnahme genützt, sollte uns für die noch vor uns liegenden Herausforderungen rüsten.
Die beiden alten Herren, die es sich in ihrer “Badewanne” zuweilen bereits allzu gemütlich eingerichtet hatten übersahen einen im Wasser schwimmenden Baumstamm, der ihnen prompt zum Verhängnis wurde. Da gingen nicht nur Männer über Bord, auch der angeblich wasserdichter Seesack ein Paddel, eine tropentaugliche Kopfbedeckung und eine “billige” Sonnenbrille verließen zeitglich das Schwimmgefährt. Erhalten blieben ein stark blutendes Knie, Beinblessuren und ein großer Schock!

Die Tücken des Kamp
Um der rasch fortschwimmenden Utensilien noch rechtzeitig habhaft zu werden, setzte sich nun die Manschaft des wendigsten aller Boote, Vater und Sohn im Zweierkajak, mit starken Paddelstrichen flussabwärts in Bewegung und es gelang ihr wohl den Seesack ins kleine Kajak zu hiefen, beim Versuch das verlorene Paddel zu fischen, übersahen die Retter einen Felsen und stürzten nun ihrerseits in die reißenden Fluten.
Doch “All’s Well That Ends Well”! Diese wilden Szenen spielten sich bereits kurz vor unserem Ziel ab, und die Helden konnten mit trockenem Gewand, das man im zweiten Auto in Steinegg zurückgelassen hatte, erhobenen Hauptes zur Stärkung ins Gasthaus Dunkler einmarschieren, das sich hinter St. Leonhard, wo sich die Straße durch den Hornerwald steil hinunter zum Kamp schlängelt, an einer kleinen Lichtung befindet. Mit Blick auf den soeben bezwungenen Kamp schmeckten die Waldviertler Schmankerl besonders gut.
[...] Lies auch: Kampf im Kamptal [...]